Die Entstehung der Kapverdischen Inseln war ein Wechselspiel zwischen Vulkantätigkeit und Erosion. Dabei stellen die Inseln die Gipfel einer gewaltigen submarinen Gebirgslandschaft, die sich aus der so genannten Kapverdenschwelle herausheben, dar. Die Kapverdenschwelle ist ein östlicher Ausläufer des Mittelatlantischen Rückens und trennt das südlich gelegene Kapverdenbecken vom nördlich gelegenen Kanarenbecken.

Die submarine vulkanische Tätigkeit im Mittelatlantik, die schließlich zur Entstehung des Kapverdischen Archipels führte, setzte etwa an der Wende von der Kreidezeit zum Tertiär ein und hatte ihre Ursache im Auseinanderdriften der Kontinente Afrika und Amerika infolge der Öffnung des südlichen Atlantiks. Die Inseln sind die Gipfel ausgedehnter unter der Meeresoberfläche befindlicher Vulkane, deren Sockel von riesigen Schildvulkanen eingenommen werden. Diese Schildvulkane entstanden bereits im Jura und sitzen in mehreren Tausend Meter Tiefe dem Grund des Atlantiks auf.

Die aus dem Meer emporragenden Vulkanspitzen waren seit ihrer Entstehung ständiger Erosion ausgesetzt. Dabei wurden und werden durch Wind und Niederschläge die aufgeschütteten Vulkangesteine abgeschliffen. Beeindruckend sind die tief eingeschnittenen, meist ausgetrockneten Erosionstäler (Ribeiras), die bei Regengüssen zu reißenden Flüssen werden können.

An den Küsten trägt das Meer zu ständigen morphologischen Veränderungen bei, wobei Sedimente angelagert (Akkumulation) oder abgetragen (Erosion, Abrasion) werden können. Für die Anlagerung von Sedimenten sorgt aber auch der Wind, der besonders über die östlichen Inseln den Sand der Sahara verteilt.

Auf den östlichen Inseln endete die Vulkantätigkeit wesentlich früher, so dass durch fortschreitende Bodenerosion die vulkanische Struktur weitestgehend aufgezehrt wurde und flache, wüstenhafte Inseln entstanden sind  [18]. Auf der Insel Fogo hingegen dauert die Vulkantätigkeit bis heute an. Der Pico de Fogo brach zuletzt 1995 aus.

Pico Pequeno

(Fogo)

Basaltfelsen auf Santo Antão

Pico de Fogo

Wanderdünen

auf Boavista

Ribeira do Paúl

 

"Vulkanischer Gang"
in Alto Mira

6

4

7

5

2

1

Gesteinsarten und Landschaftsformen

Entsprechend der Veränderungen während der Entstehung des Archipels existieren auf engem Raum recht unterschiedliche Gesteins- und Bodenarten sowie unterschiedliche Landschaftsformen, auf die im einzelnen kurz eingegangen wird:

Magmatische Gesteine: Durch Vulkantätigkeit an die Oberfläche in Form von Lava und Asche gelangte Gesteine. Dies sind i.A. die gewaltigen Basaltfelsen, Bimsgesteine, Tuffe, Schlacken und Asche. Besonders auf den östlichen Inseln sind diese Gesteine erodiert und bilden die Bestandteile der kargen Böden.

Sedimentäre Gesteine: Die bedeutendsten Sedimente stellen Ablagerungen des Saharasandes auf den östlichen Inseln dar, aber auch Kalkablagerungen durch das Meer sowie Sedimentablagerungen an sandigen Küsten und in den Ribeiras gehören dazu.

Erosionstäler (Ribeiras): Die Struktur der Gebirgsinseln, bei der riesige steile Basaltgebilde durch tief eingeschnittene Täler getrennt wurden, entstand schon während der Vulkantätigkeit, bei der flüssige Lava die Landschaft formte, Krater gebildet und Vulkankegel aufgeschüttet wurden. Die Täler dienten bei Niederschlagsereignissen dem Abfluss und wurden durch abfließende Wassermassen nach starken Regenfällen tief ins Relief eingeschnitten. Diese sog. Erosionstäler (Ribeiras) waren schon seit Beginn der Besiedlung die wichtigsten Siedlungsräume für die Menschen.

Schildvulkane: Schildvulkane entstehen überwiegend aus Lavaströmen. Diese sind oft nur wenige Meter mächtig und werden aus zentralen Kratern oder sehr langen Spalten eruptiert. Die Lava ist basaltisch und dünnflüssig, deshalb bildet sich kein steiler Kegel, sondern ein flaches Schild.

Aschen- und Schlackenkegel: Aschen- und Schlackenkegel sind relativ ebenmäßige Kegel. Sie entstehen durch eine Anhäufung von vulkanischem Lockermaterial um einen zentralen Kegel (Pico de Fogo). Dabei ist Asche vulkanisches Lockermaterial mit einem Korndurchmesser von weniger als 2 mm, Schlacken hingegen haben eine Korndurchmesser von mehr als 2 mm und sind unregelmäßig geformt.

Einsturzkrater (Caldeira): Caldeiras sind im eigentlichen Sinne nichts anderes als Krater mit einem sehr großen Durchmesser (mehrere hundert Meter bis einige Zehner Kilometer). Caldeiras sind damit um ein vielfaches größer als die vulkanischen Öffnungen oder Förderschlote, die von ihnen umgeben werden. Sie entstanden durch den Einsturz von Vulkangipfeln, so dass man auch von Kollapsstrukturen spricht. Auf den Kapverden sind die Caldeira am Vulkan von Fogo, die einen Durchmesser von 9 km hat, und die Caldeira am Cova-Krater auf Santo Antão besonders beeindruckend, aber auch die überflutete Caldeira, die den Hafen von Mindelo (São Vicente) bildet. 

Kesseltäler: Kesseltäler sind zum Meer auslaufende Einsturzkrater. Die beeindruckendsten befinden sich auf Santo Antão, z.B. das Kesseltal Ribeira das Patas.

Vulkanische Gänge: Vulkanische Gänge (filões) stehen wie Mauern an den Hängen ehemaliger Vulkane. Sie entstanden durch flüssige Lava, die sich in vulkanische Bruchspalten ergossen hatte. Durch Erosion wurde das weichere Material um die erstarrte Lava im Laufe der Zeit abgetragen und die zu hartem Gestein erstarrte Lava blieb als Mauer in der Landschaft zurück.

Achadas oder Chãs: sind relativ flache Hochebenen. Besonders häufig sind sie auf Santiago zu finden.

Fãjas: sind breite, zum Meer auslaufende Lavaströme mit relativ steilem Gefälle, die meist recht fruchtbar sind. Die bekanntesten sind die Fãja auf São Nicolau und die Fãja d´Água auf Brava.